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Das Rätsel der Wollhandkrabbe

"Mensch, die lässt sich ja geduldig filmen!" dachte ich bei einem der letzten Tauchgänge in der Lippe. Die Wollhandkrabbe, etwa so groß wie zwei Handteller, lag ganz ruhig unter einem Ast und kümmerte sich nicht darum, dass ich mit Kamera und zwei dicken Scheinwerfern vor ihr herumwuselte.

Dann dämmerte es mir, ich streckte die Hand aus und hob sie vom Boden auf. Schlaff hingen ihre vielen Beine und die zerzaust aussehenden Scheren herunter: Das Tier war tot.

Immer wieder finden wir Wollhandkrabben am Grund der Lippe, aber nicht einmal eine lebendige. Nicht, dass sie in Massen herumliegen würden - aber dass wir nur Kadaver finden, ist schon seltsam. Tote Flusskrebse finden wir zum Beispiel nicht, und bisher erfreuten sich auch alle Fisch bester Gesundheit. Lediglich den Wollhandkrabben geht es offenbar regelmäßig an den Kragen.

Wir haben es hier also mit einem Kriminalfall der Natur zu tun. Wer ist der Mörder? Ist es die große Hitze dieses Sommers, die selbst die Lippe auf tropische 26 Grad aufheizte? Werden sie von Anglern getötet, die sich über die Krabben ärgern, weil diese die Angelschnüre durchzwicken? Wütet eine Art Krabbengrippe? 

Niemand weiß es.

Auch die Experten, die wir befragten, wussten keinen Rat. Das Rätsel bleibt also vorerst ungelöst. Vielleicht bringen die nächsten Tauchgänge Licht ins Dunkel, und zwar buchstäblich, denn wir wollen verstärkt  nachts tauchen. Und mit etwas Glück können wir dann auch putzmuntere Wollhandkrabben filmen.

In China gilt die Krabbe übrigens als Delikatesse, und auch in einigen asiatischen Restaurants in Deutschland landet sie auf dem Teller. Wir werden trotzdem der Versuchung widerstehen, die gefilmten Tiere nach dem Tauchgang auf den Grill zu legen, versprochen!