· 

Studioaufnahmen

Es ist praktisch unmöglich, jede einzelne Aufnahme in einem Naturfilm tatsächlich in der Natur zu drehen. Die BBC Natural History Unit beispielsweise, die für alle die großarten Naturdokuserien wie, "Eisige Welt (Frozen Planet)", "Unser blauer Planet (Blue Planet)" oder "Eine Welt, viele Welten (Planet Earth)" verantwortlich zeichnet, dreht grundsätzlich alle Tiere im Studio, die kleiner sind als ein Kaninchen. Wer jemals versucht hat, eine Maus in seiner Wohnung aufzuspüren, wird wissen, wie schwierig das ist - dasselbe Tier in einer Wiese oder in einem Wald zu finden und in schönen Nahaufnahmen abzulichten ist völlig ausgeschlossen.

Solche sogenannten "Kontrollierten Bedingungen" gelten unter seriösen Filmemachern so lange als akzeptabel, als die Tiere tatsächlich ihr natürliches Verhalten zeigen.

Das bedeutet zum Beispiel, dass man Bären im Zoo nicht einfach als wilde Tiere verkaufen kann, denn wilde Bären verhalten sich vollkommen anders und haben einen viel wacheren Blick als die gelangweilten Langzeithäftlinge hinter Gittern. 

Auch für unseren Film "An den Ufern der Lippe" werden einige wenige Einstellungen unter kontrollierten Bedingungen gedreht. Die (noch geheimen) Hauptdarsteller leben zur Zeit in einem Terrarium im Keller. Demnächst werden sie auf eine Art Naturbühne gesetzt, wo sich dann hoffentlich ein artgerechtes Drama vor der Kamera entfaltet. In diesem Fall sind die kontrollierten Bedingungen völlig OK, denn die Darsteller sind schon geistig nicht in der Lage, den Unterschied zwischen ihrem natürlichen Lebensraum und unserer Bühne zu erkennen. Aber trotz gewisser kognitiver Defizite: Die Tiere, um die es geht, verfügen über ein erstaunliches Verhaltensrepertoire. Vor allem Menschen, die ihnen mit Gift und tödlichen Fallen nachstellen, werden überrascht sein.
Wird es auch Mäuse im Lippefilm geben? Gedreht unter kontrollierten Bedingungen? Ja und nein: Mäuse sind als Darsteller zur Zeit fest eingeplant - aber anders als die große BBC filmen wir sie in der wilden Natur! Möglich wird dies durch die Geduld, Hartnäckigkeit und Hingabe eines Hobbyfilmers. Steve Gupta hat gewissermaßen mit einer Mäusefamilie Freundschaft geschlossen. Und so gelingen ihm immer wieder Aufnahmen, die mit ihrer Niedlichkeit jedem Hersteller von Mausefallen schlaflose Nächte voller Selbstzweifel und Gewissenbisse bereiten dürften.